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Konzept zum Schulversuch „Modularisierung im kaufmännischen Schulwesen“

Ausgangs(Ist-)situation:
 
Im derzeitigen Schulsystem können Schüler1 mit einer einzigen negativen Jahresbeurteilung gezwungen sein, ein ganzes Schuljahr zu wiederholen. Dabei werden alle bereits positiv absolvierten Unterrichtsgegenstände noch einmal besucht und erneut beurteilt. Dies ist aus volkswirtschaftlicher Sicht eine Vergeudung von Steuergeldern und aus Sicht der Eltern und betroffenen Schüler dauert einerseits die Ausbildung ein Jahr länger und andererseits entstehen dadurch hohe Kosten durch die Finanzierung dieses Jahres aber auch durch den späteren Eintritt des Schülers ins Berufsleben.
Zudem entsteht für einen „sitzen bleibenden“ Schüler großer Druck, weil er den gewohnten Klassenverband verlässt und er in eine neuen Klasse mit dem Ruf eines gescheiterten, weil „sitzengebliebenen“ Schülers eintritt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein Wiederholen der Klasse keineswegs zu besseren Leistungen führen muss, dass aber die Motivation des betroffenen Schülers in vielen Fällen sehr gering ist.
 
Durch vielfältige Ablenkungen im täglichen Leben fällt es Schülern immer schwerer, den Lehrstoff eines ganzen Schuljahres bei entsprechenden Jahresprüfungen zu beherrschen. Semesterprüfungen werden viel eher positiv beurteilt als Jahresprüfungen, da hier ein überschaubarerer und leichter erlernbarerer Lernstoff vorliegt.
 
Viele Schüler in den dritten bis fünften Jahrgängen haben nur in einzelnen Unterrichtsgegenständen Teilleistungsschwächen oder sind durch persönliche Umstände in einem bestimmten Zeitraum weniger leistungsfähig und leistungsbereit. Auch für diese Schüler gibt es derzeit nur die Möglichkeit einer Wiederholung einer ganzen Schulstufe.
 
1 alle Formulierungen gelten auch in ihrer weiblichen Form

Sollsituation:

Aufgrund obiger Überlegungen ist es unser Ziel, durch eine Neuorganisation der 3. bis 5. Jahrgänge Erfolg und Qualität der schulischen Ausbildung zu verbessern und im Sinne eines modularen Systems attraktiver zu gestalten. Im Rahmen des Lehrplans ergibt sich die Möglichkeit einer Modularisierung durch logischen und konsequenten Aufbau von Semestermodulen innerhalb des Gesamtsystems. Die Gesamtzahl der Wochenstunden kann von einzelnen Schülern bei Vorziehen oder Wiederholen von Modulen überschritten werden. Die geltenden Lehrziele bleiben bestehen, die berufliche und allgemeine Bildung einschließlich der Universitätsreife ist daher gewährleistet. Die Gesamtzahl der Wochenstunden entspricht dem gesetzlich vorgegebenen Rahmen (derzeit 158 Stunden), eine Veränderung der bestehenden Stundenzahl ist nicht vorgesehen. Die Bestimmungen der Teilungszahlenverordnung bleiben aufrecht.
 
FAQs:
 
Was ist ein Modul? Ein Modul ist ein Unterrichtsgegenstand eines Semesters.
 
Was ist ein Modulsystem? Modulsystem bedeutet, dass die Schüler ab dem 3. Jahrgang, nachdem sie den 1. und 2. Jahrgang lt. autonomer Stundentafel absolviert haben, die Stunden im 3. bis 5. Jahrgang im Modulsystem mit Pflichtmodulen, Wahlpflichtmodulen und Zusatzmodulen absolvieren.
 
Gibt es ein „Sitzenbleiben“? Jeder Schüler darf ab dem 3 Jahrgang bis in den 5. Jahrgang aufsteigen, unabhängig von der Zahl nicht positiv abgeschlossener Module.
 
Wann darf der Schüler zur Reife- und Diplomprüfung antreten? Jeder Schüler, der alle erforderlichen Module positiv abgeschlossen hat oder höchstens ein einziges negativ beurteiltes Modul aufweist, darf zur Reife- und Diplomprüfung antreten.
 
Welche Vorteile haben Lehrer und Schüler daher von diesem Schulversuch?
  • kein „Sitzenbleiben“ ab dem 3. Jahrgang möglich
  • individuelle Fördermaßnahmen
  • besser motivierte Schüler
  • weniger Fehlstunden
  • konzentriertere Schüler im konzentrierten Unterricht
  • anspruchsvolle vertiefende Angebote nach Lehrer- und Schülerinteressen
  • innovativer Weg in Richtung schulinterner Standardisierung des Unterrichts und der schulinternen Leistungsbeurteilung
Welches pädagogische Konzept steckt dahinter?
 
Schüler, die in den 3. Jahrgang aufsteigen, haben grundsätzlich gezeigt, dass sie in der Lage sein müssten, eine kaufmännische Ausbildung mit der Reife- und Diplomprüfung abschließen zu können. Daher soll mit dem Modulsystem einerseits die Möglichkeit geschaffen werden, die individuellen Interessen der Schüler in verstärktem Ausmaß zu berücksichtigen und anderseits sollen Teilleistungsschwächen in einzelnen Gegenständen nicht zum Wiederholen sämtlicher bereits positiv abgelegter Gegenstände führen.
 
Diese Teilleistungsschwächen sollen durch die (verpflichtende) Nutzung eines intensiven Angebotes an Förder- und Begleitmaßnahmen behebbar sein.
 
Die Rolle des Klassenvorstands und des Bildungsberaters wandelt sich:
Der Klassenvorstand wird verstärkt zum Begleiter, Coach und Berater der Schüler.
Der Bildungsberater fungiert als „Schullaufbahnbegleiter“ und berät ebenfalls.
 
Evaluierung?
 
Eine eingehende, regelmäßige Evaluierung des Schulversuches ist im Hinblick auf folgende Aspekte vorgesehen:
 
Qualitätssicherung
Reflexion der verbindlichen Lehrstoffaufteilung auf unabhängige Semester
Beobachtung der Entwicklung der Zahl von Kolloquien und deren Ergebnissen
 
Schulerfolg
Vergleich negativer Beurteilungen in einem verbindlichen Semesterzeugnis mit der früheren unverbindlichen Schulnachricht.
Vergleich negativer Jahresbeurteilungen in einem verbindlichen Semesterbeurteilungssystem mit dem früheren Jahresbeurteilungssystem
Vergleich der Laufbahnverluste zur Regelschule
 
Organisationsstruktur
Transparenz des Systems für Schüler und Eltern
Vergleich des Verwaltungsaufwandes mit dem früheren System
Die Evaluation wird durch die Schulqualitätsbeauftragten unterstützt.
 
Entwurf Modulsystem BHAK Wien 10
 
Ziele:
  • Gewährleistung von Bildungsinhalten und –zielen einer modernen BHS
  • Vermittlung von Schlüsselqualifikationen
  • Vermehrte Eigenständigkeit und Selbstverantwortung der Schüler
  • Gesteigerte Flexibilität und unmittelbares Reagieren in neuen Situationen
  • Höhere „Studierfähigkeit“ und bessere Vorbereitung auf das Berufsleben
  • Individuelle Schwerpunktsetzung entsprechend den Schülerinteressen
  • Mehr Begabungsförderung durch anspruchsvolle vertiefende Angebote
  • Förderung lernschwächerer Schüler durch eine Vielzahl von Möglichkeiten, Module positiv abzuschließen
  • Umsetzung aktueller methodisch-didaktischer Unterrichtsformen, wie z.B. Projektunterricht, Team-Teaching, fächerübergreifender Unterricht, Lernfelder, offenes Lernen, eLearning, u.v.a.
  • Optimale Ausnützung der materiellen und personellen Ressourcen des Schulstandortes
Allgemeines:
 
Die Lehrpläne aller Fächer wurden für das Modulsystem adaptiert.
Die 9. und 10.Schulstufe wird wie bisher als ganzjähriger Jahrgang geführt.
Die 11.-13.Schulstufe wird semestriert:
Die 11. und 12. Schulstufe (III. u. IV Jahrgang) wird in ein Winter- und Sommersemester unterteilt.
Die 13. Schulstufe (V. Jahrgang) umfasst nur ein Semester.
Jedes Semester wird mit einem Semesterzeugnis abgeschlossen..
Die Schüler melden sich für Module im Kernbereich (verpflichtend für alle Schüler) und Wahlpflichtmodule (im 3. bis 5. Jahrgang im Gesamtausmaß von maximal 18 Jahreswochenstunden) an.
Positiv absolvierte Module bleiben stets erhalten.
Über negativ abgeschlossene Module müssen Kolloquien abgelegt werden, um zu einer positiven Beurteilung zu gelangen. Negativ abgeschlossene Wahlpflichtmodule können auch durch andere positiv beurteilte Wahlpflichtmodule ersetzt werden.
Das Wiederholen eines gesamten Schuljahres im herkömmlichen Sinn entfällt.
Die Höchstdauer des Schulbesuches von 7 Jahren bleibt aufrecht.
Der Bildungsgang endet mit der Reife- und Diplomprüfung.
 
 
Module:
 
Unter Modul wird ein Unterrichtsgegenstand in einem Semester, der durch eine Note im Semesterzeugnis beurteilt wird, verstanden.
Module aus dem Kernbereich sind in sich abgeschlossene Bereiche aus dem Kernbereich des Lehrplanes und sind für alle Schüler verpflichtend.
Wahlpflichtmodule entsprechen den bisherigen Fachrichtungsgegenständen. Das Angebot aus diesen wird jedoch vergrößert. Damit können Schüler aus dem Angebot eines Kursbuches jene Module wählen, die ihren Interessen entsprechen. Dabei wird auf die Kostenneutralität Rücksicht genommen, d.h. es können nur so viele Module durchgeführt werden, wie auch bisher Werteinheiten zur Verfügung standen.
Freie Wahlmodule sind zusätzliche Module (bisher Freigegenstände) aus jedem Fachbereich und können vertiefend gewählt werden, sofern im Kurs Platz ist und damit keine Gruppenteilung zusätzlich verursacht wird.
Die zur Wahl stehenden Module werden in einem Kursbuch beschrieben und bekannt gemacht. Das Angebot kann vielfältiger als die tatsächlich zustande kommenden Lehrveranstaltungen sein.
Klassenvorstände bzw. Coaches führen für jeden Schüler Aufzeichnungen, aus denen die positiv absolvierten Module ersichtlich sind.
 
 
Leistungsbeurteilung:
 
Jedes Modul wird gesondert benotet.
Am Ende jedes Semesters erhält der Schüler ein Semesterzeugnis mit den Beurteilungen über alle absolvierten Module.
Die herkömmliche Aufstiegsberechtigung entfällt ab dem 3. Jahrgang.
Wurde ein Modul negativ beurteilt, so hat der Schüler das Recht auf eine Wiederholungsprüfung je Modul innerhalb der ersten 4 Wochen des darauffolgenden Semesters, unabhängig von deren Anzahl.
Wurde diese Wiederholungsprüfung nicht positiv beurteilt, kann auf Antrag des Schülers eine weitere Leistungsfeststellung in Form eines Kolloquiums im Folgesemester erfolgen, sofern vom Schüler die Teilnahme an einer im Förderkonzept der Schule vorgesehenen Fördermaßnahme nachgewiesen wurde. Die Wiederholung eines negativ beurteilten Moduls ist ebenfalls im Rahmen der organisatorischen Möglichkeiten zulässig.
Bei einer negativen Wiederholungsprüfung kann ein Wahlpflichtmodul auch durch ein gleichwertiges ersetzt werden.
Ein Modul ist unter Beachtung der Höchstdauer des Schulbesuchs mehrfach wiederholbar.
§ 19/Abs. 3 SchUG (Frühwarnung) wird sinngemäß in jedem Semester angewendet.
 
Beginn des Schulversuches:
 
Für alle 3. Jahrgänge der Handelsakademie und der HAK für Digital Business im Schuljahr 2007/08
                                  
Langfristige Aspekte (Visionen):
  • teilweises Angebot von Modulen in Präsenz-, e-Learning- oder TeleLearning-Phasen
  • Möglichkeit, Prüfungen durch Vorziehen frühzeitig abzulegen
  • ein frühzeitiges Ablegen von Teilprüfungen im Rahmen der Reife - und Diplomprüfung wird gefördert
  • besonders Begabte haben die Chance, den Bildungsgang vorzeitig abzuschließen

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zuletzt bearbeitet von 5ad

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